Kann Essig schlecht werden?
Es gibt nur wenig Lebensmittel, für die in der Europäischen Union kein aufgedrucktes Mindesthaltbarkeitsdatum vorgeschrieben ist. Dazu gehört Essig. Aber heißt das gleichzeitig auch, dass Essig nicht schlecht werden kann? Dass er unbegrenzt gelagert werden kann und nach vielen Jahren im Schrank noch gut ist?
Da Essig ja auch andere Lebensmittel konserviert, könnte man davon ausgehen, dass er eigentlich unverderblich ist. Ungeöffnet ist das, aufgrund des hohen Säuregehalts, auch fast so. Fast kein Lebensmittel hält über mehrere Jahrzehnte. Theoretisch Essig zwar schon, praktisch leidet aber die Qualität und er ist höchstens noch als Putzmittel zu gebrauchen.
Und natürlich gibt es auch Qualitätsunterschiede, nicht jeder Essig ist gleich. So verringern zum Beispiel Zusätze die Haltbarkeit der sauren Flüssigkeit. Und selbst gemachter Essig ist auch nicht so lange haltbar wie zum Beispiel die industriell hergestellte Essigessenz.
Essig Haltbarkeit
Ist ein MHD auf dem Essig aufgedruckt, ist dies führend. Einige Hersteller entscheiden sich dafür, selbst bei Essigessenz. Dies ist ein Qualitätsversprechen. Ungeöffnet hat der Inhalt dieser Flasche innerhalb der MHD-Frist die gleiche Qualität.
Um beim Beispiel der Essigessenz zu bleiben, heißt es aber nicht gleichzeitig, dass diese nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums schlecht geworden ist. Ihr Säuregehalt dürfte sogar annähernd gleich sein, nur könnte sich das Material der Plastikflasche verändern.
Eine solch abgelaufene Essigessenz ist zwar nicht schlecht, aber für die Ernährung sollten Sie sie nicht mehr verwenden. Als Putzmittel eignet sie sich aber durchaus noch.
Anders ist es mit reinem Essig. Mit der Zeit verändern sich die Aromen und Zusätze wie Früchte oder Kräuter können die Flüssigkeit verderben lassen. Aus diesem Grund erhalten auch diese Essigsorten oft ein MHD. Wenn nicht, können Sie davon ausgehen, dass sie gute 10 Jahre ab Herstellung annähernd die gleiche Qualität aufweisen sollten.
Und dies heißt wiederum ebenfalls nicht, dass dieser ungeöffnete Essig dann schlecht geworden ist, sobald die 10 Jahre rum sind. Er kann nur einfach seine ursprüngliche Qualität nicht mehr aufweisen, also am Geschmack und Aroma verloren haben.
Voraussetzung ist aber immer eine sachgemäße Lagerung: dunkel, kühl und luftdicht. Finden Sie also auf dem Dachboden eine Flasche verstaubten Essig von der Urgroßmutter, sollten Sie diese nicht mehr unbedenklich verwenden und prüfen, ob der Inhalt nicht vielleicht doch schon schlecht geworden ist.
Selbstgemachter Essig fällt wiederum in eine andere Kategorie. Für diesen gelten auch die oben genannten Zeiten nicht. Denn im eigenen Haushalt kann nie die Hygiene garantiert werden, mit der die Industrie arbeitet. Aus diesem Grund sind selbstgemachte Essigsorten ungeöffnet oft nur 2 Jahre haltbar.
Solange der selbst gemachte Essig, wie auch Uromas Dachboden Version aber keinen sichtbaren Schimmel aufweisen, können Sie diese immer noch zum Putzen verwenden.
Zusammenfassung:
- Ungeöffnet kann Essig fast gar nicht schlecht werden.
- Nach ca. 10 Jahren verändert sich die Qualität und der Essig verliert an Aroma und Geschmack.
- Bei selbst gemachtem Essig ist dies bereits meist nach 2 Jahren der Fall.
- Ein aufgedrucktes MHD ist immer führend und gilt.
- Ohne sichtbaren Schimmel sind "abgelaufene" Essige nicht schlecht, aber noch als Putzmittel verwendbar.
- Für geöffnete Essigflaschen gilt eine ähnliche Haltbarkeit, aber hier ist die Lagerung (dunkel, kühl und luftdicht) noch wesentlich wichtiger. Denn geöffnet kommt Luft an die saure Flüssigkeit und sie verliert an Aroma. Auch können Speisereste über Besteck hinein gelangen, was den Verderb begünstigt.
- Deswegen sollten Sie vor allem geöffneten Essig mit Zusätzen innerhalb von 6 bis 12 Monaten verbrauchen, da diese noch schneller ihre Qualität einbüßen.

Essig lagern
Essig hat keine hohen Ansprüche an die Lagerung. Damit er aber lange sein ursprüngliches Aroma behält, sollten Sie das magische Trio der Regeln für die Essiglagerung beachten.
- Dunkel: Essig möchte, geöffnet wie auch ungeöffnet, dunkel stehen. Entweder im Küchenschrank und wenn er bereits geöffnet wurde, auch im Kühlschrank. Denn die UV-Strahlen aus dem Sonnenlicht lösen chemische Reaktionen aus, die Aromen zerstören können. Je edler und/oder fruchtiger der Essig ist, desto wichtiger ist die dunkle Lagerung.
- Kühl: Je wärmer der Essig gelagert wird, desto schneller verfliegen vor allem flüchtige Aromastoffe. Eine kühle und konstante Temperatur hält dagegen das Aroma stabil. Lagern Sie ungeöffnete Essigflaschen im kühlen Keller und geöffnete am besten im Kühlschrank. Dort bleibt der Essig einfach auch spritziger. Vor allem für selbst gemachten Essig, Edelessig und Fruchtessig ist der Kühlschrank der beste Aufbewahrungsort. Tafelessig und auch Essigessenz können Sie dagegen bedenkenlos im Küchenschrank aufbewahren. Geöffnet wie auch ungeöffnet.
- Luftdicht verschlossen: Kommt dauerhaft Sauerstoff an den Essig, kann er kippen, also Aroma und Geschmack verlieren. Außerdem kann Wasser verdunsten, was die Konzentration, also den Säuregehalt verändert. Auch das hat wieder einen großen Einfluss auf Geschmack und Aroma. Und last but not least wird durch einen luftdichten Verschluss verhindert, dass Staub, Schimmelsporen oder gar Fruchtfliegen in die saure Flüssigkeit gelangen, wodurch sie schlecht werden würde.
Essigmutter
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann sich Essigmutter im Essig bilden. Als erstes müssen Sie unterscheiden, ob es sich wirklich um Essigmutter und nicht um Schimmel handelt. Essigmutter schwimmt als glitschige, zusammenhängende Masse im oder auf dem Essig. Sie riecht intensiv sauer. Schimmel dagegen sind pelzige Inseln auf dem Essig, die muffig riechen.
Dass sich Essigmutter auf dem Essig bilden kann ist kein Zeichen für einen beginnenden Verderb, sondern nur ein Zeichen dafür, dass die saure Flüssigkeit lebt. Essigmutter entsteht durch Essigbakterien, die durch Sauerstoff wachsen. Deswegen kann sie wachsen.
Ist Essigmutter entstanden, haben Sie 2 verschiedene Möglichkeiten:
- Ignorieren: Essigmutter ist harmlos und unbedenklich. Sie können sie einfach ignorieren und den Essig wie gewohnt weiter verwenden.
- Filtern: Gießen Sie den Essig durch ein feines Sieb oder ein Passiertuch in eine saubere Flasche.
Mit der herausgefilterten Essigmutter können Sie eines der verschiedenen Rezepte zum Essig selber machen ausprobieren. Denn Sie haben damit etwas, was Sie für die Essigherstellung in den eigenen vier Wänden unbedingt benötigen. Sie selbst zu ziehen ist zwar möglich, aber es dauert und alternativ können Sie sie nur kaufen.
Kann Essig schimmeln?
Ja, Essig kann schimmeln. Durch den Säuregehalt von ca. 5% theoretisch eigentlich nicht, denn die Säure ist der natürliche Feind des Schimmels. Durch Verdünnung oder Verunreinigung kann aber praktisch Essig doch schimmeln.
Zum einen ist das der Fall, wenn der Säuregehalt unter 5% liegt oder durch Verdünnung, wie zum Beispiel mit Kondenswasser durch Temperaturschwankungen, an der Oberfläche sinkt. Aber auch organische Rückstände, wie zum Beispiel ein Zweig Rosmarin im Essig der Kontakt zur Luft hat, sind Auslöser.
Und natürlich der Klassiker, Speisereste die zum Beispiel an einem benutzten Löffel hängen und in den Essig gelangen. Zuerst bilden sich Kahmhefen auf der Oberfläche, die wie ein weißlich krümeliger Belag aussehen. Diese bauen Essigsäuren ab und dann hat der Schimmel ein leichtes Spiel.
Verwechslungsgefahr: Essigmutter mag für Laien aussehen wie Schimmel, ist aber etwas komplett natürliches, ist harmlos und nicht ungesund!
Sie müssen nur aufpassen, dass Sie Schimmel nicht mit Essigmutter verwechseln, die ebenfalls in Essig wachsen kann, wenn sich Essigsäurebakterien vermehren. Essigmutter ist bereits vorhanden, nur eben meist nicht sichtbar, weil ein Großteil ausgefiltert wurde. Sie kann aber wieder wachsen.
- Essigmutter schwimmt auf oder sinkt in den Essig. Sie ist eine zusammenhängende, gelartige, glitschige Masse die grau-weiß bis braun ist und intensiv sauer nach Essig riecht.
- Essigmutter kann sich auch wie Fäden durch die Flüssigkeit ziehen und sie trüb erscheinen lassen. Das ist zum Beispiel bei naturtrübem Essig der Fall.
- Schimmel bildet pelzige Inseln, die auf der Oberfläche des Essigs schwimmen. Schimmel ist weiß, grün oder schwarz und richtig muffig.
Wichtig ist: wenn der Essig schimmelt, muss er entsorgt werden. Er eignet sich weder zum Verzehr noch zum Putzen in der Wohnung.
Welcher Essig wird schnell schlecht?
"schlecht werden" heißt in diesem Fall ja verderben, also Schimmel. Denn Essig an und für sich kann auch seine Qualität, sein Aroma und seinen Geschmack verlieren, aber schlecht ist er deswegen noch nicht. Schlecht ist Essig erst, wenn er schimmelt oder sich Kahmhefen gebildet haben, welche die Vorstufe von Schimmel sind.
Sobald sich an der Oberfläche der sauren Flüssigkeit eine dünne, pelzige Haut gebildet hat, die zudem noch muffig riecht, ist der Essig schlecht.
Abgesehen davon, dass Essig meist erst schlecht wird, wenn die Flasche geöffnet wurde, also Sauerstoff und vielleicht auch andere Kriterien, die einen Verderb begünstigen können, ins Spiel kommen, ist bei sachgemäßer Lagerung (dunkel, kühl und verschlossen) das Risiko relativ gering, dass Essig schlecht wird.
Aber eben nicht ausgeschlossen und es gibt natürlich auch eine Abstufung, also Essige, die schneller schlecht werden können bis hin zu Essigen, die fast gar nicht schlecht werden.
Empfindlichkeit gegenüber schlecht werden:
- Selbstgemachter Essig ist nicht pasteurisiert und enthält lebende Hefen. Der Säuregehalt ist zudem privat schwer einzustellen, was ihn zu den empfindlichsten in Bezug auf schlecht werden macht.
- Crema di Balsamico und Fruchtessige, die mit Früchten hergestellt werden, sind ebenfalls sehr empfindlich. Sie enthalten viel Zucker und zudem Fruchtpartikel. Geöffnet dringen Hefen aus der Luft ein und können trotz Säure Gärung oder Schimmelbildung auslösen.
- Kräuteressig ist fast genauso empfindlich wie Fruchtessig mit Früchten, denn in Kräuteressigen sind meist feste Bestandteile wie Kräuterzweige enthalten. Sobald diese nicht mehr komplett mit Essig bedeckt sind, können sie an der Luft schimmeln. Bedenklich ist auch Knoblauchessig, denn Bakterien am Knoblauch können in der Essigflasche überdauern.
- Klarer Weinessig und Obstessig: Wenn eine Essigsorte klar ist, sinkt die Gefahr von Schimmel, denn die Zusätze, die einen Verderb begünstigen können, sind ja nicht enthalten. Diese Essigsorten sind zwar wenig aromatisch, dafür aber ziemlich robust, was schlecht werden betrifft.
- Klarer Branntweinessig und Tafelessig: Diese Essigsorten bestehen nur aus Wasser und Essigsäure. Sie sind selbst geöffnet fast unverwüstlich.
- Essigessenz: Durch den sehr hohen Säuregehalt ist Essigessenz der robusteste aller Essigsorten und verdirbt so gut wie gar nicht.
Edelessige, wie zum Beispiel ein traditioneller Aceto Balsamico di Modena oder ein sehr lange im Holzfass gereifter Frucht – oder Weinessig gehören ebenfalls zu den fast unverwüstlichen Essigsorten. Sie weisen einen hohen Säuregehalt auf, enthalten keine festen Zusätze und sind durch die lange oxidative Reifung mikrobiologisch sehr stabil.
Nur eben auch sehr teuer. Und bitte verwechseln Sie den teuren, traditionellen Aceto Balsamico nicht mit der Crema di Balsamico aus dem Supermarkt, die zu den sehr empfindlichen Essigsorten gehört.
Fazit: Unterm Strich ist es so, dass je mehr Stückchen im Essig schwimmen, egal ob Frucht oder Kraut, oder je mehr Zucker zugesetzt wird, desto empfindlicher ist der Essig und kann schneller schlecht werden.
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